Einsteigen, zurücklehnen und genießen – mit der Koralmbahn von Graz zu besonderen Produzenten, Gastgebern und Genussadressen in Kärnten.


Mit der Koralmbahn sind das Lavanttal und Südkärnten von Graz aus plötzlich ganz nah. Wo früher für einen kulinarischen Ausflug nach Kärnten deutlich mehr Zeit eingeplant werden musste, beginnt der Genuss heute praktisch schon am Grazer Hauptbahnhof. Die neue Bahnverbindung macht Lust darauf, Regionen neu zu entdecken – und das ganz entspannt und ohne Auto.
Wir nehmen euch mit auf eine Genussreise entlang der Koralmbahn: zu Winzerin Sabine David ins Lavanttal, zu fangfrischem Fisch, hausgemachtem Most und einer echten Kärntner Buschenschankjause. Anschließend geht es weiter Richtung Klopeiner See, wo junge Wirtshausküche auf echte High-End-Fischküche trifft. 


Von Graz ins Lavanttal: So schnell geht Kärnten 


Schon die Anreise ist ein kleines Erlebnis. Die Koralmbahn verbindet Graz und Klagenfurt auf 130 Kilometern, die schnellsten Züge schaffen die Strecke heute in gerade einmal 41 Minuten. Herzstück ist der rund 33 Kilometer lange Koralmtunnel, der die Koralpe unterquert.
Wer ins Lavanttal möchte, steigt in St. Paul im Lavanttal aus. Railjets mit Zwischenhalten in Weststeiermark und St. Paul verkehren grundsätzlich im Stundentakt; dazu kommen weitere Verbindungen auf der Koralmbahn. Damit eignet sich die Strecke wunderbar für einen Tagesausflug oder ein verlängertes Genusswochenende.
Besonders schön: Bahn und regionale Öffis lassen sich kombinieren. So wird aus der Koralmbahn nicht nur eine schnelle Verbindung zwischen Graz und Kärnten, sondern eine Einladung, die Produzenten und Gastgeber der Region einmal bewusst ohne Auto zu besuchen. Und Augen auf beim Blick aus dem Fenster! Im Lavanttal führt die Reise durch eine Landschaft, die stark von Landwirtschaft geprägt ist. Hier befindet sich auch der bekannte Lavanttaler Spargelhof der Familie Sternath, auf dem seit mehr als drei Jahrzehnten Spargel kultiviert wird. Im Sommer, wenn die Spargelsaison vorbei ist, zeigt sich auf den Feldern ein völlig anderes Bild: Aus den Spargelpflanzen wächst feines, fedriges Grün. Die hohen, fast filigranen Pflanzen verwandeln die Felder in grüne, leicht wogende Flächen – kaum zu glauben, dass darunter im Frühjahr eines der begehrtesten Gemüse der Region geerntet wird. 

Unser Tipp für zwischendurch: Zeit für einen Spaziergang an der Lavant einplanen. Nach der Zugfahrt ein paar Schritte am Wasser, die Landschaft wirken lassen und anschließend hungrig zum nächsten Genussstopp – genau unser Tempo. 


Wein aus dem Lavanttal: zu Gast bei Sabine David am Weingut vlg. Ritter 


Dass Kärnten Wein kann, ist längst kein Geheimnis mehr. Das Lavanttal gehört dabei zu jenen Weinregionen, die man unbedingt näher kennenlernen sollte. Eine unserer Lieblingsadressen dafür ist das Weingut vulgo Ritter von Sabine David in St. Paul. Sabine ist Winzerin aus Leidenschaft – und eine spannende Persönlichkeit. Ursprünglich Wirtschaftsingenieurin im Maschinen- und Anlagenbau, fand sie schließlich im Weingarten ihre eigentliche Berufung. Seit 2010 beschäftigt sie sich intensiv mit Weinbau und vinifiziert ihre eigenen Weine.
Bei einer Verkostung merkt man schnell, wie viel Persönlichkeit in diesen Weinen steckt. Weinbau im Lavanttal bedeutet schließlich, mit einem noch vergleichsweise jungen Weinbaugebiet, besonderen Lagen und einem ganz eigenen Mikroklima zu arbeiten. Genau das macht die Weine spannend.
Und weil Wein ohne Jause nur halb so schön wäre, kommt bei Sabine auch Regionales auf den Tisch. Ihre Jausenplatte zeigt wunderbar, wie viele Produzenten und Lebensmittelhandwerker das Lavanttal zu bieten hat. Statt Produkte von weit her zu holen, wird kombiniert, was rundherum wächst und entsteht. Ein Name, den man sich dabei merken sollte: Marzi. 


Fisch aus dem Lavanttal: Besuch bei der Fischzucht Marzi


Die Fischzucht Marzi in St. Marein ist seit mehr als 40 Jahren ein Familienbetrieb und definitiv einen eigenen Abstecher wert. Die Teichanlagen werden von Lavanttaler Bächen und eigenen Quellen gespeist. Gezüchtet werden unter anderem Regenbogenforellen, Lachsforellen, Saiblinge und Seeforellen sowie die geschützte St. Mareiner Kaiserforelle. 
Wer Fisch liebt, sollte hier unbedingt direkt vorbeischauen. Im Hofladen gibt es fangfrischen Fisch ebenso wie geräucherte und veredelte Spezialitäten. Fischaufstrich, geräucherte Forelle und Lachsforelle, Kaviar oder die mehrfach ausgezeichnete Graved Kaiserforelle zeigen, was man aus heimischem Fisch alles machen kann. Besonders spannend ist es, wenn frisch geräuchert wird. Der Duft, der dabei über den Betrieb zieht, macht unmittelbar Appetit – und zeigt gleichzeitig, wie viel Handwerk hinter den Produkten steckt. Genau solche Familienbetriebe sind es, die eine Genussregion ausmachen: kurze Wege, eigenes Ausgangsprodukt, viel Erfahrung und eine Verarbeitung direkt vor Ort. 


Kärntner Jause & reinsortiger Most bei Martina Lippitz


Nach Wein und Fisch wird es richtig klassisch kärntnerisch. Bei Martina Lippitz in der Buschenschank Lippitz in St. Paul dreht sich vieles um eine ehrliche, hausgemachte Jause – und um hervorragenden Most. 
Hier darf man sich durch typische Jausenklassiker kosten, gemütlich zusammensitzen und natürlich auch die süße Seite nicht vergessen. Besonders die Krapfen sind so ein Genuss, für den wir uns gerne noch ein bisschen Platz lassen. Eine Spezialität des Hauses sind die sortenreinen Apfelmöste und Apfelsäfte; Most und Jause werden selbst hergestellt. Genau deshalb lohnt sich eine kleine Mostverkostung besonders. Denn wer verschiedene reinsortige Möste nebeneinander probiert, merkt erst, wie unterschiedlich Apfelsorten schmecken können: einmal frisch und säurebetont, einmal rund, fruchtig oder kräftiger. Dazu eine Brettljause, ein Krapfen und ein Glas Most – viel authentischer kann ein kulinarischer Zwischenstopp im Lavanttal kaum sein. 


Weiter nach Südkärnten: Wandern rund um den Klopeiner See


Von hier führt unsere Genussreise weiter nach Südkärnten und in die Region rund um den Klopeiner See. Dank der neuen Bahnverbindungen lässt sich auch dieser Teil Kärntens wunderbar öffentlich entdecken. Der Bahnhof Kühnsdorf-Klopeiner See ist an Zug und Bus angebunden, zusätzlich gibt es regionale Mobilitätsangebote. Für uns die perfekte Kombination: Zugfahrt, ein Stück mit den regionalen Öffis und anschließend die Wanderschuhe schnüren.  Rund um den Klopeiner See und die umliegende Landschaft gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Spaziergänge und Wanderungen. Gerade ein kulinarischer Ausflug lässt sich so wunderbar mit Bewegung verbinden – zuerst ein paar Kilometer durch die Natur, danach darf ausgiebig gegessen werden. 


Jung, regional & richtig lässig: Bär & Schaf Wirtschaft 


Kulinarisch führt in Völkermarkt kaum ein Weg an der Bär & Schaf Wirtschaft vorbei. Hinter dem Konzept stehen Martin Nuart und Philipp Medved – Martin in der Küche, Philipp als Gastgeber im Service. Aus einem Pop-up wurde längst ein kulinarischer Fixpunkt der Region. 
Die Location allein hat Charakter: Die Wirtschaft befindet sich im historischen Gasthaus zum Prinz Johann. Alte Dielenböden, Holz, zeitgenössische Kunst und eine wunderbar unkomplizierte Atmosphäre treffen hier auf eine sehr moderne Vorstellung von regionaler Küche. 
Gekocht wird konsequent saisonal. Viele Zutaten stammen vom familieneigenen Biohof oder von Produzenten aus der unmittelbaren Umgebung. Genau hier passen typische Kärntner Produkte und alte Kulturpflanzen wie Hadn – also Buchweizen – wunderbar ins Bild: regional gedacht, modern interpretiert und alles andere als verstaubt.  Das Schöne: Trotz des hohen kulinarischen Anspruchs bleibt die Stimmung entspannt. Eine richtig lässige Adresse für alle, die wissen möchten, wie jung und zeitgemäß regionale Kärntner Küche schmecken kann. Und der Klopeiner See liegt praktisch ums Eck – perfekt, um Genuss und Seeausflug miteinander zu verbinden. 


Zum Abschluss ganz großes Fischkino: Restaurant Sicher


Für das Finale unserer Genussreise wird es noch einmal besonders. Das Restaurant Sicher in Tainach ist ein Familienbetrieb, eine wunderschöne Genussoase und eine der spannendsten Fischadressen Kärntens. 
Schon die Location begeistert: Ein ehemaliges Sägewerk in idyllischer Lage, ein traumhafter Garten und viel Natur bilden den Rahmen für eine Küche, die sich intensiv mit der Region auseinandersetzt. Im Mittelpunkt steht Fisch aus der eigenen Quellwasserzucht. Forellen, Saiblinge, Huchen und Flusskrebse werden in der Küche zu raffinierten Gerichten verarbeitet; eine besondere Spezialität ist der hauseigene Saiblingskaviar.  Doch Sicher ist weit mehr als Fischzucht. Rund um das Restaurant wächst eine erstaunliche Vielfalt. Mehr als 200 Kräuter, Gemüse- und Salatpflanzen gehören zum eigenen Anbau, darunter auch ungewöhnliche und fast exotisch wirkende Sorten wie Yams, Goji-Beeren, Knollenziest oder Blutapfel.
Aus diesen Zutaten entstehen Gerichte auf höchstem Niveau. Der Fisch bleibt klar erkennbar das Herzstück, wird aber mit viel Kreativität, Technik und Fingerspitzengefühl zu echten Fine-Dining-Kreationen weitergedacht. Gleichzeitig verliert die Küche nie den Bezug zu ihrem Ursprung – zum Wasser, zur Landschaft und zum eigenen Familienbetrieb. Genau das macht einen Besuch so besonders. 


Unser Fazit: Einsteigen & Kärnten neu erschmecken


Die Koralmbahn verändert nicht nur Entfernungen – sie eröffnet auch völlig neue Möglichkeiten für kulinarische Ausflüge. Von Graz aus erreicht man das Lavanttal heute schnell und unkompliziert und kann mit Bahn, Bus und regionalen Mobilitätsangeboten weiterziehen.  Vom Wein bei Sabine David über Fisch von Familie Marzi und Most bei Martina Lippitz bis zur jungen Regionalküche bei Bär & Schaf und zum großen kulinarischen Finale bei Sicher zeigt diese Route vor allem eines: Wie unglaublich vielseitig Genuss auf vergleichsweise kleinem Raum sein kann. Dazwischen liegen Spargelfelder, die Lavant, Weingärten, Seen und Wanderwege. Also: Auto einmal stehen lassen, in Graz in den Zug steigen und losfahren. Denn manchmal beginnt die schönste Genussreise einfach am Bahnsteig. 

Redaktionelle Quellenhinweise: ÖBB/Koralmbahn, Weingut vulgo Ritter, Spargelhof Sternath, Genussland Kärnten/Fischzucht Marzi, Buschenschank Lippitz, Michelin Guide sowie Restaurant Sicher. Fahrpläne und Öffi-Anschlüsse bitte vor Veröffentlichung bzw. Reiseantritt aktuell prüfen. 

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